Ritual für Schwangere: Hobbymalerin verziert Babybäuche

16.05.2022 Die Bilder von Marienn Pyko haben ein Eigenleben und sind von kurzer Dauer. Mit ihrem Hobby verschafft die 41-Jährige aus Wismar werdenden Müttern dennoch bleibende Erinnerungen.

Die Hobbymalerin Marienn Pyko hat der Schwangeren Sandra Genz eine kleine hungrige Raupe auf den Babybauch gemalt. © Jens Büttner/dpa

Bauchpinseln nimmt Marienn Pyko wörtlich. Vorsichtig lässt sie den mit brauner Farbe getränkten Pinsel quer über den prallen Bauch von Sandra Genz gleiten. «Bei unserem ersten Treffen wusste ich, welches Motiv ich will: eine kleine Mickey-Maus im blauen Strampler.

Heute lasse ich mich einfach überraschen», sagt die 33-jährige hochschwangere Frau aus Warin (Nordwestmecklenburg). Entspannt verfolgt sie im Liegestuhl, wie aus dem Ast mit dem Bauchnabel als Astloch Blätter sprießen und zum Ziel einer hungrigen kleinen grünen Raupe werden.

Marienn Pyko hat schon viele Babybäuche bemalt. Der erste war der ihrer Schwester. «Sie war damals zum zweiten Mal schwanger und die Zeit sollte auf besondere Weise im Gedächtnis bleiben. Zuerst haben wir viele Fotos gemacht, bis wir dann auf die Idee mit dem bemalten Bauch kamen», erinnert sich die 41-jährige Augenoptikerin aus Wismar. Die einzelnen Motive seien dann wiederum im Foto festgehalten worden. Die daraus gestalteten Collagen würden bis heute in der Familie immer wieder gern angeschaut.

Erst Filzstifte, dann Wasserfarben

«Das erste Bild habe ich noch mit Filzstiften gemalt, später dann Wasserfarben ausprobiert. Inzwischen arbeite ich mit professioneller Theaterschminke. Die ist hautfreundlich, haltbar, mit dem Feuchttuch oder unter der Dusche aber auch leicht wieder abwaschbar», sagt Pyko, die nach eigenem Bekunden schon immer gern gemalt hat, ihr Hobby als berufstätige Mutter lange Jahre aber schlummern ließ.

Nun lebt sie es auf nicht alltägliche Weise aus und schafft Bilder von besonderer Lebendigkeit. «Es kommt manchmal vor, dass ein kleiner Fuß über den Bauch wandert oder eine kleine Faust als leichte Wölbung hervortritt», erzählt Pyko. Da die Mütter das - je nach Motiv - ein- bis zweistündige Prozedere aber genießen würden, färbe das auch auf das Wohlbefinden des erwarteten Nachwuchses ab. «Was mir gut tut, das tut auch dem Kleinen gut», ist sich Sandra Genz ebenfalls sicher.

Mit Ritualen auf die Geburt vorbereiten

«Es ist total wichtig, dass sich Frauen mit ihrer Schwangerschaft beschäftigen, sich mit ihrem Körper auseinandersetzen. Und dazu gehören auch bestimmte Rituale», betont Kathrin Herold, Vorsitzende des Landes-Hebammenverbandes. Ob bemalte Babybäuche, Fotoserien über die neun Monate hinweg oder Gipsabdrücke des kugelrunden Bauches kurz vor der Niederkunft, solche Trends kehrten in Wellen wieder und kämen Frauen und Kindern zugute. «Die Geburt wird sicher nicht leichter, nur weil sich eine Frau den Bauch bemalen lässt. Aber es gibt Studien, nach denen die Eingriffsraten unter der Geburt niedriger sind, wenn sich Frauen auf unterschiedlichste Weise darauf vorbereitet haben», erklärt Herold.

Was bei der ersten Bauchbemalung im Februar noch eher eine Ahnung war, ist für Familie Genz inzwischen Gewissheit: Nach drei Töchtern bekommen Sandra und ihr Mann Matthias nun einen Sohn. «Ich habe kurz überlegt, ob ich mich bei der Motivwahl dieses Mal einmische, es dann aber doch den Frauen überlassen», sagt der 34-Jährige Krankenpfleger. Als langjähriger Fußballer und bekennender Fan des American Football hätte er sich schon ein Bild aus diesem Bereich gut vorstellen können, meint er.

Staunen im Kreissaal

Es wäre nicht das erste Sportmotiv, das sie nach väterlichen Wünschen auf einen Babybauch pinselt, sagt Pyko. Ein Anhänger des Hamburger Fußball-Vereins HSV habe sich das Vereinsmaskottchen Dino gewünscht und sei damit bei seiner Frau schließlich auf Zustimmung gestoßen. An das Bild erinnert sich die Künstlerin noch aus einem anderen Grund: «Statt, wie jetzt, mit weißem Fettstift, hatte ich damals die Umrisse mit schwarzem Kajal auf den Bauch gemalt. Der war wasserfest und das hat wenig später bei der Geburt der Zwillinge dann für einiges Staunen im Kreißsaal gesorgt», erzählt Pyko.

Mit der inzwischen angewandten Methode sei aber sichergestellt, dass die Bauchgemälde leicht abwaschbar und spätestens am Tag der Geburt nicht mehr zu sehen seien. Egal ob ein kuscheliger Teddybär, ein Krümelmonster, der kleine Prinz, Kinderfüße oder eine der beliebten Disney-Figuren das Motiv der Wahl waren.

© dpa

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