So kommen Snacks bei Schulkindern an

01.08.2022 Die Brotbüchse soll nicht unberührt bleiben, der Inhalt nicht in der Tonne auf dem Schulhof landen. Eine Expertin für Kinderernährung gibt Tipps, wie ein gutes Pausenbrot aussehen kann.

Manche Eltern können ein Lied davon singen: Da stehen sie extra früher auf, um den lieben Kleinen eine schöne Brotbüchse zusammenzustellen - doch die Kids bringen sie fast unberührt wieder aus der Schule zurück. Was für ein Frust!

Die Diplom-Ökotrophologin Sigrid Fellmeth hat sich auf Kinderernährung spezialisiert und gibt Eltern Tipps für spannende Schulsnacks.

Haben Sie einen Geheimtipp für Pausenbrot-Muffel?

Sigrid Fellmeth: Der Inhalt der Brotbüchse muss nicht nur lecker sein, sondern auch nach Stunden noch appetitlich aussehen. Und er muss nach dem Geschmack des Kindes sein. Und da taucht schon das erste Problem auf. Vielen Eltern ist oft gar nicht bekannt, was für ein Ess-Typ ihr Kind ist. Vielleicht ein «Trennköstler»?

Typisch für diesen Typ ist, dass es «Gemischtes», wie Aufläufe oder Soße auf den Nudeln ablehnt - gibt es die Soße aber getrennt von den Nudeln, isst er beides gerne. Käsebrot ist für ihn schwierig, Brotsticks oder Butterbrot und dazu Käsewürfel findet er klasse.

Was gibt es noch für Ess-Typen?

Fellmeth: Etwa den «Aktivling». Man könnte ihn auch als «Tobekind» bezeichnen. Wer in der Hofpause am liebsten mit seinen Kumpels mit dem Ball kickt, will nicht viel Zeit mit Essen verlieren. Am besten ist alles fertig in mundgerechte Häppchen gewürfelt in der Box, damit er schnell wieder zum Fußballspielen kommt.

Und da wäre auch noch das «Genusskind», das etwa jeden einzelnen Löffel seines Overnight-Müslis genüsslich auskostet. Dem würde ich dann auch ein Müsli oder einen Obstsalat mitgeben statt einer großen Doppeldecker-Stulle. Am besten schaut man sich das Essverhalten und auch das Esstemperament seines Kindes an, damit es kein Pausensnack-Drama gibt.

Ist das nicht eine logistische Herausforderung, die Brotbüchse so zu packen, dass der Inhalt auch nach Stunden noch frisch ausschaut und das Müsli nicht zwischen den Heften herumsuppt?

Fellmeth: Da gibt es schon ein paar Tricks. Bewährt haben sich Boxen mit Trennfächern - so vermischt sich nicht alles durcheinander. Sie müssen zudem gut verschließbar und auslaufsicher sein. Dadurch fällt auch extra Alu- oder Frischhaltefolie weg. Damit bei warmen Temperaturen alles schön frisch bleibt und lecker riecht, gibt es Kühlelemente für die Pausenbrotbox.

Was schreckt Kinder am häufigsten vom Zugreifen aus der Brotbüchse ab?

Fellmeth: Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr! Es gibt Eltern, die es zu gut meinen und sechs oder sieben verschiedene Sachen in die Box quetschen. Das überfordert aber das Kind. Auch die Menge ist oft ein Problem - am besten gibt man ihnen nur so viel mit, dass sie satt werden. Nachhaltigkeit ist für Kinder durchaus ein Thema. Dazu gehört auch «Reste vermeiden».

Wenn ein klassisches Pausenbrot in Frage kommt, sollte man sich für ein fein ausgemahlenes Vollkorn entscheiden. Das ist gut zu kauen und sorgt für ein angenehmes Mundgefühl. Sehr körniges Vollkornbrot strengt beim Kauen an und kostet manchen Kindern zu viel Zeit.

Auch beim Belag gilt wieder: Weniger ist mehr! Auch wenn es langweilig klingt, aber ein einfacher Frischkäsebelag oder sogar nur ein Butterbrot kommen mehr an als ganz viel Schnickschnack. Man könnte auch mal Hummus als Belag versuchen oder einen vegetarischen Brotaufstrich.

Sollte man sich dabei mit Experimenten in der Pausenbox vortasten?

Fellmeth: Auf keinen Fall, ich wäre bei Essensexperimenten in der Brotbüchse zurückhaltend! Was ein Kind zu Hause nicht isst, wird es auch nicht als Pausensnack anrühren. Für mehr Abwechslung kann man ruhig experimentieren, aber bitte nur daheim.

Eltern vergessen oft, dass vertrautes und bekanntes Essen dem Kind Sicherheit gibt. Bei «konservativen Essern» ist zu viel Abwechslung kontraproduktiv. Sie essen durchaus mal drei bis vier Wochen dasselbe. Wer gerade Lust auf Butter- oder Käsebrot hat, ist von Abwechslung auf der Stulle eher enttäuscht.

Mein Tipp ist daher, das Kind in die Auswahl miteinzubeziehen. Die Pausenbüchse lässt sich wunderbar am Abend zusammen zubereiten und bleibt im Kühlschrank frisch. Man kann auch am Nachmittag gemeinsam ein Bananenbrot backen. Das kommt auch ohne Zucker aus und kann problemlos am nächsten Tag mit in die Schule. Davon kommt sicher nichts zurück - vielleicht wird das auch geteilt?

Obst und Gemüse gehört natürlich auch in jede Brotbox. Das schmeckt frisch und ist knackig. Bitte stellen Sie hier nicht den ganzen Obstkorb zur Auswahl. Auch das überfordert! Lieber gezielt nur zwei bis drei Sorten anbieten. Also etwa fragen: Tomate oder Mini-Paprikaschoten, Apfel oder Nektarine?

Ein ganzer Apfel kommt aber auch gern wieder zurück...

Fellmeth: Dagegen hilft ein Trick: Ein Apfel wird viel spannender, wenn er als Apfelpuzzle zusammengesetzt ist. Die einzelnen Stückchen aber bitte mit Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht braun werden.

Am besten werden Obst und Gemüse in kindgerechter Größe angeboten. So, dass es in ein bis zwei Bissen zu essen ist, etwa Cocktailtomaten, Weintrauben, Birnenspalten, Melonenstreifen, Kohlrabi-, Gurken- oder Möhrensticks. Das Prinzip lässt sich auch auf die Stulle übertragen: Das Brot kann auch in Stangen geschnitten sein.

Eltern geben als Soulfood-Häppchen gern noch was Süßes mit. Haben Sie da eine Idee für ein alternatives Extra?

Fellmeth: Da bieten sich neben ein paar Nüsse so kleine viereckige Knäckebrotsnacks an. Die knuspern schön.

Und wie sieht eine Alternative zu supersüßen Getränken aus?

Fellmeth: Ohne Getränk geht es natürlich nicht. Aber da lautet mein Tipp: Wasser, Wasser, Wasser. Das lässt sich geschmacklich natürlich aufpeppen mit Kräutern wie Minze oder Orangen- oder Zitronen-Schnitzen. Abgefüllt in eine doppelwandige Edelstahlflasche, die das Getränk auch schön lange kühl hält.

© dpa

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