Junge Menschen fühlen sich zunehmend gestresst

Facebook, Instagram, Tiktok: Vor allem junge Deutsche fühlen sich zunehmend durch Social Media gestresst. Doch los kommen sie von den neuen Medien auch nicht. Dabei ist «JOMO» (Joy of Missing Out) in.
Erwartungen von Dritten und scheinbar grenzenlose Möglichkeiten: Das Stresslevel ist bei der eigenen Lebensplanung gestiegen. © Philipp von Ditfurth/dpa

Immer mehr Deutsche fühlen sich sogar in ihrer Freizeit gestresst. Das geht aus dem «Freizeit-Monitor 2022» hervor, bei dem diesmal das Sonderthema «Stress in der Freizeit» lautete.

«Optimierung stellen wir nicht nur bei der Arbeitszeit fest, sondern zunehmend auch in der Freizeit», sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Prof. Ulrich Reinhardt. Das sei eine Entwicklung, die mit Sorge zu betrachten sei. «Die Menschen haben ständig das Gefühl, etwas zu verpassen», sagte Reinhardt. Die Umfrage wird seit 40 Jahren von der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco erhoben.

Stress bei der Lebensplanung

Das Stresslevel in der Freizeit sei am meisten bei der eigenen Lebensplanung gestiegen, sei es in puncto Karriere, Familie oder Selbstverwirklichung. «Gefangen zwischen Erwartungen von Dritten, scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten und den eigenen Bedürfnissen, fühlen sich zunehmend mehr Bürger gestresst», sagte Reinhardt. Ein Ausstieg aus diesem Hamsterrad sei nicht einfach, weshalb auch die Gefahr eines Burnouts steige.

Aus der repräsentativen Umfrage des Instituts GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) im Auftrag der Stiftung geht hervor, dass sich bereits jeder dritte Deutsche (33 Prozent bei den Frauen und 35 Prozent bei den Männer) bei der eigenen Lebensplanung stresst. 2015 waren es 18 Prozent bei den Frauen und 22 Prozent bei den Männern.

Die Dominanz des Internets

Am meisten gestresst fühlen sich junge Menschen in ihrer Freizeit. Das liege auch an der Dominanz des Internets, die nach wie vor ungebrochen sei, hieß es. Wie im Vorjahr belegt das Internet Platz 1 bei den Freizeitaktivitäten (wenigstens einmal pro Woche). 97 Prozent aller Bundesbürger von 18 bis 74 Jahren sind regelmäßig online aktiv. Vor zehn Jahren waren es nur etwa halb so viele (2012: 53 Prozent).

Das Fernsehen bleibt auf Platz 2, gefolgt von der PC/Laptop/Tablet-Nutzung. Erstmals in den Top 10 tauchen auch Social Media Angebote auf: Facebook, Instagram, LinkedIn, Tiktok, Snapchat oder Twitter werden von mehr als zwei Drittel regelmäßig genutzt.

Jeder zweite Deutsche zwischen 18 und 34 Jahren (54 Prozent) fühlt sich durch den Medienkonsum von anderen gestresst, bei der Gesamtbevölkerung sind es nur 34 Prozent. «Gleichzeitig zeigt sich auch die Abhängigkeit der jungen Generation von den Medien: Sie wollen die Medien weniger nutzen, schaffen es aber einfach nicht», sagte Reinhardt. Die Konsequenz des eigenen Verhaltens stresse sie dann ebenfalls.

Auch durch den medialen Druck (z.B. Aussehen, Verhalten) fühlen sich viele junge Leute gestresst (41 Prozent), während es bei der Gesamtbevölkerung nur 26 Prozent sind.

Die häufigsten Freizeitbeschäftigungen

Bereits seit vier Jahrzehnten untersucht die Stiftung für Zukunftsfragen das Freizeitverhalten der Bundesbürger. Im 40-Jahresvergleich zeige sich, dass lediglich vier Aktivitäten bereits 1982 zu den häufigsten Freizeitbeschäftigungen zählen: Musik hören und Fernsehen gucken sowie seinen Gedanken nachgehen und über wichtige Dinge reden. Aktivitäten wie eine Zeitung zu lesen (1982: Platz 1), etwas mit Freunden zu unternehmen (Platz 2) oder ein Buch zu schmökern (Platz 9) werden heute kaum noch regelmäßig ausgeübt.

Weil heute der Medienkonsum in der Freizeit dominiert, auch eine Folge der Coronazeit, würden die meisten Freizeitaktivitäten in den eigenen vier Wänden stattfinden - und nicht mehr außerhalb. Dabei könnte genau das eine Lösung von der medialen Abhängigkeit sein: Beim Reiseverhalten stellten die Freizeitforscher nämlich einen neuen Trend fest: Statt FOMO (Fear of missing out/Die Angst, etwas zu verpassen) sei jetzt JOMO (Joy of Missing Out) angesagt: Die Freude, etwas zu verpassen.

© dpa
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