Investitionen in europäische Tech-Firmen brechen ein

Mit den Niedrigzinsen und dem Digitalisierschub in der Pandemie haben Start-ups einen Boom erlebt. Nun bekommt die Branche heftigen Gegenwind. Deutschland trifft es besonders.
Start-ups haben während der Pandemie einen Boom erlebt. © Fabian Sommer/dpa/Symbolbild

Nach einem Rekordjahr sind die Investitionen in europäische Tech-Firmen eingebrochen. Dieses Jahr belaufen sich die Geldspritzen nach Berechnungen des Risikokapitalgebers Atomico auf knapp 85 Milliarden Dollar - 18 Prozent weniger als der Höchststand von rund 104 Milliarden Dollar 2021. Die Summe sei aber immer noch die zweithöchste aller Zeiten. Atomico-Partner Tom Wehmeier sprach bei der Vorstellung des jährlichen Branchenreports vom «härtesten ökonomischen Umfeld seit der globalen Finanzkrise». Gemessen daran sei das Ergebnis bemerkenswert.

Der deutsche Markt bekam mit einem Rückgang der Investments von knapp 19 auf rund 11 Milliarden Euro die Krise besonders zu spüren. Das habe auch am exorbitanten Vorjahr gelegen, erklärte Wehmeier. Die hiesige Branche habe sich seit 2015 stark entwickelt und ihr gelinge es zunehmend, ausländische Tech-Talente anzuziehen.

Boom während der Pandemie

Start-ups haben in der Pandemie einen Boom erlebt. Sie profitierten davon, dass die Digitalisierung einen Schub bekam - etwa bei Finanzgeschäften, Online-Shopping oder Essenslieferungen. Bei Investoren saß das Geld mit den Niedrigzinsen locker, was zu zahlreichen üppigen Finanzierungsrunden führte. Doch mit Ukraine-Krieg, schwächelnder Konjunktur und dem Zinsanstieg hat sich der Markt gedreht. Investoren hielten sich zurück. Die Bewertungen großer Start-ups, darunter der Bezahldienst Klarna, brachen ein, Firmen wie der Berliner E-Roller-Anbieter Tier strichen Jobs.

Mit der schlechten Stimmung brach laut Atomico die Zahl der großen Finanzierungsrunden in Europa mit mehr als 100 Millionen Dollar ein. Auch bei «Einhörnern» - Start-ups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar - wurde ein heftiger Rückgang verzeichnet: Gab es 2021 noch 105 neue Einhörner am Markt, waren es dieses Jahr bis Ende Oktober erst 31. Darunter befanden sich vier deutsche: Das Steuer-Startup Taxfix, die Sport-App OneFootball, die Firma Grover, die Elektronikgeräte zur Miete anbietet, und die Gastro-App Choco.

Insgesamt habe das raue Branchenumfeld mindestens 14.000 Menschen bei europäischen Tech-Firmen den Job gekostet, mehr als 400 Milliarden Dollar Bewertung seien ausgelöscht worden, hieß es in der Studie. Dennoch zeige sich die Branche robust. In einer Umfrage gaben 77 Prozent an, sie seien optimistischer oder genauso optimistisch für die Zukunft, 23 Prozent waren pessimistischer als vor einem Jahr.

© dpa
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