Cybergrooming: G7-Staaten wollen Kinder besser schützen

Kinder und Jugendliche sollen besser gegen Missbrauchstaten geschützt werden. Eine Umfrage zeigt: Erwachsene kontaktieren sie zunehmend im Internet. Gerade die Entwicklung bei jüngeren Kindern macht Sorgen.
Laut einer Umfrage wurde 24 Prozent der befragten Jungen und Mädchen zwischen 8 und 17 Jahren schon einmal im Netz von Erwachsenen zu einer Verabredung aufgefordert. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die wirtschaftsstarken Demokratien der G7 wollen laut Bundesinnenministerin Nancy Faeser den Kampf gegen Kindesmissbrauch verstärken. Die Bedrohung für Kinder durch sexuelle Gewalt und Menschenhandel habe in den vergangenen Jahren massiv zugenommen – vor allem online, teilte die SPD-Politikerin am Freitag nach einem Treffen mit ihren G7-Amtskollegen im hessischen Eltville mit.

Eine aktuelle Umfrage unter Kindern und Jugendlichen macht den Handlungsbedarf deutlich: Sie werden demnach zunehmend im Internet von Erwachsenen mit sexuellen Absichten kontaktiert.

Im Oktober 2022 waren 2002 Jungen und Mädchen zwischen 8 und 17 Jahren vom Institut «KB&B Family Marketing Experts» befragt worden. Gefragt wurde nach Fällen von Cybergrooming - der Kontaktaufnahme von Erwachsenen zu Minderjährigen mit sexuellen Absichten. 24 Prozent der Befragten wurden schon einmal im Netz von Erwachsenen zu einer Verabredung aufgefordert. Das ist ein deutlicher Anstieg: Bei der Erhebung vor gut einem Jahr waren es noch 20 Prozent gewesen.

Kindern werden Nacktbilder geschickt

Vor allem die Befragung der Jüngeren deutet auf eine bedenkliche Entwicklung hin: So wurden 20 Prozent der befragten Acht- und Neunjährigen zu einer Verabredung aufgefordert, 10 Prozent bekamen unaufgefordert Nacktbilder zugeschickt, wie aus der Befragung der 377 Jungen und Mädchen dieser Altersgruppe hervorgeht. Vor gut einem Jahr hatten sich noch 9 beziehungsweise 7 Prozent der Acht- und Neunjährigen so geäußert.

Außerdem wurden 19 Prozent der Zehn- bis Zwölfjährigen (690 Befragte) online von Personen kontaktiert, die behaupteten, Fotograf, Talentscout oder Modelagent zu sein und auf ein Treffen drängten. Im vergangenen Jahr waren es noch 10 Prozent gewesen.

47 Prozent der Hauptschüler und -schülerinnen wurden zu einer Verabredung aufgefordert, 42 Prozent wurde von einem erwachsenen Onlinekontakt eine Gegenleistung für ein Foto oder ein Video versprochen. Unter den Gymnasiasten machten 19 beziehungsweise 15 Prozent diese Erfahrungen.

Cybergrooming mehr in Schulen thematisieren

Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, sagte: «Es ist dringend geboten, dass wir Kinder und Jugendliche aufklären und ihnen praktische Hilfe anbieten.» Laut der Umfrage wünschen sich zwei Drittel von ihnen, dass das Thema Cybergrooming stärker in der Schule behandelt wird.

Faeser machte am Freitag außerdem auf das «Live-Streaming» von Missbrauchstaten aufmerksam. «Grausamere Verbrechen an Kindern sind kaum vorstellbar», betonte sie. Die Täter agierten meist länderübergreifend. Internationale Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung sei daher zentral.

Die G7-Staaten seien sich einig, den Kampf gegen diese Verbrechen zu intensivieren. «Technologieunternehmen, Plattformbetreiber und den Finanzsektor sehen wir hier ebenfalls klar in der Pflicht, zu handeln», sagte Faeser. Dem G7-Zusammenschluss wirtschaftsstarker Demokratien gehören neben der Bundesrepublik Frankreich, Italien, Japan, Kanada, die USA und Großbritannien an. Am Freitag war der weltweite Aktionstag der Vereinten Nationen im Kampf gegen sexuelle Ausbeutung und Missbrauch von Kindern.

© dpa
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